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Wie der Schnee Dächer zum Einsturz bringt und faircheck den Schaden reguliert

Der Winter 2019 erwies sich für manche Gegenden Österreichs als äußerst schneereich. Was für Skigebiete ein Segen ist, ist für viele Eigentümer von Häusern und Lager- sowie Betriebshallen ein Fluch. Schäden durch Schneedruck sind in diesem Winter aufgrund der Schneemassen im Jänner keine Seltenheit. Schneedruckschäden sind übrigens definiert als Krafteinwirkung durch natürlich angesammelte ruhende Schnee- oder Eismassen. Diese sind in der Regel im Rahmen der Sturmversicherung mitversichert.

Speziell, wenn es um eine allfällige Versicherungsdeckung bei Schneedruckschäden geht, muss auf die Instandhaltungsverpflichtung des Versicherungsnehmers verwiesen werden. Darunter fällt auch das rechtzeitige Abschaufeln der Dachflächen. Je nach Standort, Seehöhe und Dachneigung gibt es andere Bauvorschriften für Dächer. So muss ein Dach in Wien laut ÖNÖRM 84 kg pro Quadratmeter aushalten können, während ein Dach im schneereicheren St. Christoph am Arlberg so konzipiert sein muss, dass es bis zu 1080 kg pro Quadratmeter standhalten kann. Ist eine große Menge an Schnee am Dach vorhanden und besteht die Gefahr eines Schneedruckschadens, dann muss der Versicherungsnehmer seiner Sorgfaltspflicht nachkommen und handeln dh die Schneelast beseitigen. Eine Verletzung der beschriebenen Schadenminderungspflicht kann zur Leistungsfreiheit des Versicherers führen. Kommt es durch Schneemassen zu Beschädigungen an Gebäuden, hinterfragt die Versicherung den Schadeneintritt und damit die Vorgeschichte.

Wie viel wiegt ein Kubikmeter Schnee?

Während ein Kubikmeter Pulverschnee gerade einmal 30 bis 50 Kilogramm wiegt, kommt feuchter Neuschnee schon mal auf 200 Kilogramm. Liegt der Schnee erst einmal auf dem Terrassenboden, dem Dach oder am Asphalt, dann beginnt dieser sich sofort zu verändern.

Dächer in Österreich müssen je nach Standort, Seehöhe und Dachneigung zwischen 84 und 1.080 kg pro Quadratmeter an Last tragen können. Das regelt die ÖNORM EN 1991-1-3. Quelle: dachvisionen.at

Die Eiskristalle möchten eine Form mit möglichst geringer Oberfläche einnehmen. Das Volumen des Schnees nimmt ab und die Dichte zu. Je intensiver die Temperaturschwankungen, also je öfter es zu Tau- und Schmelzvorgängen kommt, umso stetiger verdichtet sich der Schnee.

Mehrjähriger Altschnee bringt pro Kubikmeter sogar bis zu 800 Kilogramm auf die Waage!

Schneeart Dichte [kgm3]
trockener Pulverschnee 30–50
normaler Neuschnee 50–100
feuchter Neuschnee 100–200
trockener Altschnee 200–400
feuchter Altschnee 300–500
Mehrjähriger Altschnee („Firn“) 500–800

Quelle: Welt der Physik, Rainer Kayser

Die Rolle von faircheck im Begutachtungsprozess

faircheck ist unabhängiger Schadendienstleister für Versicherer und stellt im Schadenfall nicht nur die Schadenhöhe fest, sondern dokumentiert auch die Vorgeschichte:

  • Welche Umstände führten zum Schneedruckschaden?
  • Ist der Eigentümer den vertraglich vereinbarten Pflichten nachgekommen?
  • Muss allenfalls eine Unzumutbarkeit der Sorgfaltspflicht in die Rechnung miteinbezogen werden?
  • Hat der Besitzer alles dafür getan, Dachflächen von zu hohen Schneelasten zu befreien, ist ihm das aber letztendlich nicht gelungen?

Um österreichweit bei Schneedruckschäden einen einheitlichen Standard zu gewährleisten, wurde im Zuge des faircheck Campus das genaue Vorgehen unter allen faircheckerInnen besprochen und eine einheitliche Arbeitsweise festgelegt.