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Unwetter 2020: Es regnet Aufträge

2015 führte ein Hagelereignis in Steiermark und Kärnten zu einem Sommer ohne Sommerurlaub. Dieses Jahr sind es in der Steiermark und Kärnten vermehrt die Überschwemmungen. Schadenexperten, die dort im Einsatz sind, arbeiten derzeit oft an 7 Tagen die Woche. Der Corona Lockdown führte zwar kurzzeitig zu weniger Aufträgen. Mit den Sommermonaten ist das allerdings längst wieder wettgemacht, berichtet ein Sachverständiger aus der Steiermark. Der EU-zertifizierte Sachverständige Gerd Kerschbaumer ist als faircheck Schadenexperte in Kärnten im Einsatz und erzählt über die intensive Zeit des Sommers 2020.

„Zur Zeit passiert die Arbeit ständig am Limit“, erzählt Gerd Kerschbaumer, faircheck Schadenexperte in Kärnten. Während des Corona Lockdown gab es für Gerd keine Verschnaufpause: „Was gegangen ist, habe ich mit VEX Videobegutachtung gemacht. Das hat gut funktioniert.“ Kurz danach ging es bereits mit den Unwetterschäden in den Bundesländern Oberösterreich und Salzburg los. Gerd Kerschbaumer erklärte sich bereit, in diesen Gebieten auszuhelfen, und war fortan immer wieder in anderen Bundesländern unterwegs. Im August kam es in Kärnten zu zahlreichen Schadenfällen. Gerd Kerschbaumer über die Organisation der intensiven Tage: „Besichtigungen sind bei mir am Tag zwischen 8 und 10 möglich. Beim Verfassen der Gutachten sieht es anders aus. Gutachten schreibe ich am Tag zwischen 3 und 5. Da dürfen aber keine komplexen Fälle oder umfassende Kostenvoranschlagsprüfung dabei sein.“

Kundenfeedback als Motor

Ein klassisches Kundenfeedback auf Papier: Gerd Kerschbaumer erhält on- und offline die meisten Kundenfeedbacks aller Schadenexperten.

Die Durchführung der Besichtigungen und die Beratung des Versicherungsnehmers vor Ort sind Tätigkeiten, die Gerd Kerschbaumer besonders souverän meistert, wie die laufenden Kundenfeedbacks bezeugen.

Herr Ing. Gerd Kerschbaumer hat den Sachverhalt absolut professionell bearbeitet und wie vereinbart termingerecht vor Ort begutachtet.
Wir sind vorerst absolut zufrieden.

Versicherungsnehmer nach einem Leitungswasserschaden

Von allen Schadenexperten, die in ganz Österreich für faircheck tätig sind, erhält Gerd Kerschbaumer die meisten Feedbacks. „Ich kann sagen, dass ich mir für die Besichtigung von jeden Schadenfall ausreichend Zeit nehme. Mir ist es wichtig, dass ich seriös und fachlich kompetent berate und informiere.“ Nur in wenigen Fällen schafft Gerd Kerschbaumer keine zufriedenstellende Lösung: „Zu Beginn der Unwettersaison hatte ich einen außerordentlichen Schadenfall zu besichtigen. Die Schadensumme belief sich auf € 60.000. Ich telefonierte mit dem Schadenreferenten, um über die Komplexität zu sprechen. Der meinte gleich, dieser sei schnell erledigt, denn der Versicherungsnehmer sei bei Katastrophen nur mit € 7.500 bei Gebäuden und € 7.500 bei Inventar versichert. Da kannst du noch so gut beraten und besichtigen. Das hilft alles nicht und es geht dir nahe, auch wenn du nichts dafür kannst.“

Versicherung mit Katastrophenschutz

Das in den nächsten Jahren die Schäden aus Unwetter zunehmen werden, ist der EU-zertifzierte Sachverständige überzeugt. „In Kärnten gibt es im Raum Feldkirchen jedes Jahr viele Unwetterschäden. Das ist ein Gebiet, wo es auch zukünftig nicht abnehmen wird und andere Gebiete werden dazukommen. Ich kann nur nahelegen, sich ausreichend gegen Unwetterkatastrophenschäden zu versichern.“

Davor haben wir mit dem Schadenexperten Robert Goliasch über die Unwetter 2020 gesprochen. 

Lesen Sie mehr über die Arbeit der Schadenexperten in unserem Beitrag Schnell hilft doppelt: faircheck Schadenregulierer im Einsatz.

Erfahren Sie mehr über fairVEX: Die Videobegutachtungsapp zur Schadenbesichtigung bei faircheck.

Coronavirus, schwere Unwetter, viele Schadenereignisse: Die Herausforderungen des Jahr 2020 in der Schadenregulierung mit Robert Goliasch

Die Unwetter in Österreich sind im Sommer 2020 sehr intensiv und erinnern an die Jahre 2012 und 2015, wo es unter anderem in Kärnten und der Steiermark zu massiven Schäden aufgrund von Wetterextremen kam. Bei faircheck hatten die Schadenregulierer alias Schadenexperten damals wie heute kaum Zeit für Sommerurlaube, denn die Schadensituation erfordert rasches Handeln und Unterstützung für die Betroffenen. Wir haben mit faircheck-Schadenexperten Robert Goliasch über diesen besonderen Sommer in der Coronazeit gesprochen.

Das Besondere an 2020 ist, dass neben den Herausforderungen, die das Coronavirus mit sich bringt, Wetterkapriolen an einzelnen Hotspots in Österreich ihre Auswirkungen zeigen. Die faircheck Schadenexperten haben mehr zu tun als üblich. Die von UBIMET veröffentlichte Blitzdichte in Österreich für Juli 2020 zeigt, dass Ober- und Niederösterreich sowie die Steiermark die Bundesländer mit der höchsten Blitzaufkommen pro Quadratkilometer sind. Robert Goliasch ist als Schadenregulierer bzw. Schadenexperte bei faircheck vorwiegend in Wien, aber auch im Pongau, Lungau, Murtal und im Ennstal im Einsatz. Aufgrund der Unwetter in Oberösterreich erledigt er dieses Jahr auch reihenweise Schadenregulierungen im gesamten Innviertel, Salzburg und dem Seengebiet, also direkt in den Hotspots 2020, wofür er in den letzten 4 Monaten 31.000 Kilometer zurückgelegt hat. Robert Goliasch über den Arbeitseinsatz der fairchecker im Sommer 2020: „Mit Juni ist es losgegangen. Aufgrund des Hagel- und Unwetterausmaßes hecheln wir derzeit ein wenig. In Oberösterreich sind die Betroffenen allerdings sehr mitwirkend und können sich zum Großteil nach den vorgeschlagenen Terminen zur Schadenregulierung richten. Zusätzlich sind die Oberösterreicher in einem sehr hohen Maße ablösebereit. Von 80 Schäden, die ich besichtigt habe, hatte ich ungefähr 60 Ablösen in Oberösterreich.“

Blitzdichte Juli 2020, Quelle UBIMET

Oberösterreich ist 2020 von den Unwettern besonders betroffen

Seit Mitte April ist Robert Goliasch jede Woche in Oberösterreich unterwegs. Hausruck und Kobernaußerwald, die Gegend rund um Braunau und Schärding sowie Obernberg am Inn zählen zu den Hotspots der vergangenen Unwetter. Robert Goliasch erzählt: „Manche Häuser sind komplett kaputt, andere haben optische Schäden. Bei einem Bauern, bei dem ich besichtigt habe, hat jedes Dach einen Schaden.“ Auf den Sachverständigen bis zum Einschreiten von Unwetterauswirkungen warten müssen Versicherungsnehmer übrigens nicht. „Viele Betreuer sagen ihren Kunden, dass sie keine Maßnahmen setzen dürfen, solange der Sachverständige nicht da war. Das ist allerdings nicht korrekt. Als Versicherungsnehmer habe ich einer Schadenminderungspflicht nachzukommen. Da kämpfe ich immer wieder und versuche, gordische Knoten zu lösen.“

Gute Organisation ist das A und O von Schadenexperten

Robert besichtigt am Tag bis zu 9 Schäden bei unterschiedlichen Versicherungsnehmern. Bei Unwetterereignissen sind dazu meist umfassende Berichte erforderlich, die verfasst werden müssen. Als erfahrener Sachverständiger mit 30 Jahre Erfahrung ist Robert Goliasch top organisiert. Eine Mitarbeiterin unterstützt ihn beim Verfassen der Berichte. So hat er den Vorteil, sich auf die Besichtigungen, Kalkulationen und die finale Berichtsbearbeitung konzentrieren zu können. „Wenn es gut geht, dann finalisiere ich in 2 Stunden 10 Berichte“, erzählt der Profi.

Trotz Corona keine Zeit zum Däumchen drehen

Die Coronazeit hielt für Robert nur bedingt eine Verschnaufpause bereit. Zur Besichtigung von Schäden kam in der Lockdown-Phase vermehrt VEX Videobegutachtung zum Einsatz. „Zu Beginn der Lockdown-Zeit war ich einmal froh, dass ich Berichte schreiben konnte. Dann ist mir aber eh schon bald wieder langweilig geworden und ich begann unter Einhaltung aller erforderlichen Maßnahmen (VEX-)Termine zu vereinbaren. In der Lockdown-Phase hat VEX sehr klaglos funktioniert.“, erzählt Robert Goliasch.

VEX unterstützt bei einfachen Schäden

Dort, wo es möglich ist, setzt Robert Goliasch zur Begutachtung Videoexpertise (VEX) ein. Bei komplexen Unwetterschäden kommt VEX aber nicht zum Zug. Bei einfachen Sturm- und Haushaltsschäden oder Glasbruch schon. „Ab einer gewissen Komplexität tut man dem Versicherer und dem Versicherten nichts Gutes, wenn man VEX einsetzt. Haushaltsschäden, beispielsweise, wenn eine Küchenzeile feucht ist oder ein Glasbruch und einfache Haftpflichtschäden bis zu € 1.000 können mit VEX sehr gut abgewickelt werden.“ Robert erzählt von einem Lokal, das aufgrund eines Unwetters verwüstet worden war. Der Versicherungsnehmer hatte bei Schadenmeldung bereits alles wieder instandgesetzt. Die Versicherung beauftragte die Plausibilitätsprüfung. „In dem Moment, wo Dächer besichtigt werden müssen, optische versus funktionale Schäden beurteilt werden sollen oder eine Plausibilitätsprüfung vorzunehmen ist, da ist VEX schwer einsetzbar.“

In Zukunft mehr Schadenereignisse durch Unwetter

Die Unwetterintensität wird aus seiner Sicht auch in den kommenden Jahren kaum abnehmen: „Ich glaube, im Allgemeinen werden wir noch schön schauen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in den nächsten Jahren im Durchschnitt weniger Schadenereignisse geben wird. 2015 in Kärnten hatten wir ein kumuliertes Ereignis mit vielen Schadenfällen. Jetzt sind immer wieder mehrere Hotspots betroffen.“

Mehr über das Team an faircheck Schadenexperten erfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klimawandel. Wetter. Schadenfälle.

Werden Wetterereignisse tatsächlich immer extremer? Was ist der Unterschied zwischen Klima und Wetter? Welche klimatischen und wetterbedingten Veränderungen kommen in den nächsten Jahren auf uns zu? Was können wir heute gegen den Klimawandel tun? Welche Zukunftsstrategien gibt es für Versicherer? Wir haben den renommierten Experten für Klimatologie, Professor Dr. Ulrich Foelsche aus Graz, gefragt.

 

 

Herr Professor Dr. Foelsche, Sie sind nicht nur Institutsvorstand für Physik an der Karl Franzens Universität in Graz und verantwortlich für die meteorologische Station an der Universität Graz. Seit über 10 Jahren sind Sie im Wegener Center für Klima und globalen Wandel tätig. Was machen Sie da genau?    

Dr. Ulrich Foelsche: Am Wegener Center arbeiten wir an neuen Satellitenmethoden, mit denen man die Temperaturveränderung in der Atmosphäre besser messen kann. Da möchte man den genauen Zustand der Atmosphäre wissen, denn je besser man den aktuellen Zustand kennt, desto besser kann man Vorhersagen machen. Da sehen wir bereits, dass sich das Wetter verändert hat. Wir sehen durch die Vergangenheit, dass sich die Temperaturen verändern und können sehr sicher sagen, dass sich die Temperaturen in Zukunft weiter verändern werden. Mit einer Zunahme wird es in Zukunft auch sehr heiße Temperaturen gehen. Das ist klar und wird so weitergehen.

Welche Aktivitäten unterstützen die Forschungen im Bereich der Niederschlagsveränderungen?  

Dr. Ulrich Foelsche: Wir haben mit dem Wegener Net im Raum Feldbach ein Stationsnetz von 150 Stationen im gleichmäßigen Gitter von einem Kilometer in einem Bereich aufgebaut, indem man normalerweise nur maximal 2 Stationen – eine in Feldbach und eine in Bad Gleichenberg –  bedienen würde, um regionale Niederschlagsveränderungen bestimmen zu können. Da haben wir 10 Jahre Daten gesammelt, die wir jetzt anschauen können und so u.a. feststellen, wie Messdaten von extremen Niederschlagsereignissen variieren, wenn man nur regulär zwei Stationen hat im Vergleich zu einem Stationsnetz. Bei einem Mittelmeertief regnet es überall gleich viel. Gewitterniederschläge treten an einem Ort besonders konzentriert auf. Da kann es sein, dass man bei der Station in Gleichenberg gar nichts sieht. In der nächsten Phase führen wir das einen Schritt weiter und möchten uns in Zukunft anschauen, wie sich Extremniederschlagsmengen in Zukunft verändern. Dafür müssen wir auf Klimamodelle vertrauen und die können derzeit Niederschläge noch nicht besonders gut vorhersagen.

Es verändert sich viel, das sehen wir auch im Schadendienstleisterbereich. Welche Änderungen zeigen sich in Ihren Forschungen am deutlichsten?  

Dr. Ulrich Foelsche: Ein Parameter, an dem wir Veränderungen relativ leicht ermitteln können, sind die Tropentage. Da ist es in Graz (Station Universität Graz) so, dass für die Periode 1961 bis 1990 im Schnitt pro Sommer vier heiße Tage zu erwarten waren. Im Sommer 2017 waren es 32 Tage. Auch im wahrgenommenen kalten verregneten Sommer 2016 waren es 10 Tage. Mittlerweile sind auch kalte Sommer wärmer, als es früher „normale“ waren. Im Schnitt werden die heißen Tage mehr und die kalten Tage weniger werden. Das ist am deutlichsten herausgekommen. Wenn nicht ein extremer Vulkanausbruch passiert oder ein Asteroideneinschlag, dann wird das kommende Jahrzehnt global das wärmste sein, seitdem wir Messungen haben.

Sprechen wir bei Änderungen, die wir im Sommer 2016 bzw. 2017 wahrgenommen haben von Klima- oder Wetteränderungen?

Dr. Ulrich Foelsche: In einem Jahr hat sich das Klima nicht so stark verändert. Für die Ausprägung im Einzelfall entscheidet natürlich die Witterung bzw. das Wetter.

Als Schadendienstleister beobachten wir in den letzten Jahren regional konzentrierte Zunahme an Sturmschäden, Überschwemmungen, Hagel & Co. Wie spielt das Wetter hier hinein?  

Dr. Ulrich Foelsche: Es gibt Phasen im Sommer, wo sich sogenanntes Blocking einstellt. Für Wochen bleibt ein Hochdruckgebiet, das normalerweise von Westen nach Osten wandert, am gleichen Ort. Das Wasser aus dem Boden verdunstet und auf der anderen Seite entsteht ein Tiefdruckgebiet. Wir wissen noch nicht, ob diese Phasen zwingend häufiger werden müssen, aber es gibt eine Tendenz dazu, und die ist physikalisch plausibel.

Wie kommt es zu Blocking?

Dr. Ulrich Foelsche: Das Blocking hängt damit zusammen, wie Tiefdruckgebiete in unseren Breiten entstehen. Diese bilden sich im Bereich der sogenannten Polarfront, dort wo kalte Luft im Norden und die warme Luft im Süden aufeinanderstoßen. Diese kann glatt ausgeprägt sein oder sie kann Wellen schlagen. Das ist vergleichbar mit einem Fluss. Wenn das Gelände steil ist, strömt der Fluss gerade. In der Ebene beginnt der Fluss Mäander zu bilden. Dort wo die Polarfront ist, gibt es darüber in der Atmosphäre den sogenannten Jet Stream, der geradlinig fließt oder Wellen schlagen kann, was dazu führt, dass sich darunter die Tiefdruckgebiete ausbilden. Das hängt davon ab, wie stark der Temperaturunterschied zwischen niedrigen und hohen Breiten ist. Wenn der Temperaturunterschied stark ist, dann ist diese Strömung stärker und macht tendenziell weniger Wellen und wenn der Temperaturunterschied geringer ist, beginnt er Wellen zu schlagen. Der Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol wird immer geringer. Kalte Luft kommt so weit in den Süden und warme Luft dringt so weit in den Norden vor, was auf den ersten Blick paradoxe Situationen nach sich zieht. Das ist der Grund, warum man auch im Frühjahr noch Spätfröste haben kann, weil die Luft aus dem Norden, die zwar auch dort deutlich wärmer ist als früher, aber für unsere Breiten kalt, zu uns kommt. Details erforschen wir erst jetzt gerade im Detail. Mich würde es nicht wundern, wenn sich hier ein klimatischer Zusammenhang herausstellt.

Es wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren also wärmer und damit verändert sich das Klima global. Können wir den Klimawandel aufhalten?

Dr. Ulrich Foelsche: Im Prinzip könnten wir, aber es spricht nicht wahnsinnig viel dafür, dass wir es auch tun. Das führt mit dazu, dass es nicht immer ganz leicht ist, in die Zukunft zu schauen. Je weiter wir in die Zukunft hinausschauen d. h. wenn wir über 30 oder mehr Jahre hinausschauen, dann ist es immer entscheidender wie wir uns jetzt verhalten. Für die nächsten paar Jahrzehnte haben wir die Weichen schon gestellt. Da müsste etwas ganz Dramatisches passieren, wie ein Vulkanausbruch oder ein Meteoriteneinschlag.

Wir können den Klimawandel aufhalten, aber es spricht nicht wahnsinnig viel dafür, dass wir es auch tun.

Wenn man in der Arktis noch schöne Eisberge sehen möchte, bis wann muss man hinfahren?

Dr. Ulrich Foelsche: Eisberge gibt es noch länger. Anders verhält es sich mit dem Meereis um den Nordpol herum, das maximal 10 Meter dick ist. Große Bereiche der Arktis frieren jeweils im Winter zu. Da bildet sich eine Eisschicht, die ist nur einen Meter dick und die geht über den Sommer zurück. Die minimale Ausdehnung des Meereises ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Den Bereich vom Nordpol können wir in einem besonders heißen Sommer eisfrei bekommen. Im Vergleich dazu bedecken Grönland und die Antarktis mächtige Eisschilde, die bis zu 4.000 Meter dick sind. Das Eis wird zwar auch drastisch weniger, aber das geht nicht von heute auf morgen. Die Eisberge kalben von Gletschern. Wenn ein Gletscher zu kollabieren beginnt, kann es kurzfristig sogar mehr Eisberge als früher geben. In Grönland gehen pro Jahr doppelt so viel Eis verloren wie es in den gesamten Alpen noch gibt d. h. alle Gletscher der Alpen rinnen pro Jahr in Grönland zweimal ins Meer. Es ist wahnsinnig viel da, aber es geht auch irrsinnig viel weg. Hier müssen wir ganz dringend etwas tun, weil wenn wir diesen Prozess nicht aufhalten, wird Grönland unwiderruflich zu schmelzen beginnen. Derzeit sind die Eisberge weit oben in der Atmosphäre und das Eis bleibt bestehen, da es kühl genug ist. Mit steigenden Temperaturen wird das immer schwerer.

Wie wird sich das Wetter in den nächsten 10 bis 20 Jahren in Österreich konkret verändern?

Dr. Ulrich Foelsche: In den letzten 30 Jahren ist es bei uns in Österreich um ein Grad wärmer geworden. Jeder Tag des Jahres ist also ein Grad wärmer. Es wird wärmer, es wird heißer; auch wenn sich bei den Niederschlägen nicht viel verändert, wirkt sich Dürre stärker aus. Viel schwieriger ist es bei der Entwicklung von Niederschlägen. In unseren Regionen ist eine der großen Unbekannten, wie sich die Mittelmeertiefs verhalten werden.

Welche Tendenzen gibt es für Mittelmeertiefs?

Dr. Ulrich Foelsche: Wo sich die Modelle sehr einig sind, ist, dass es langfristig weniger Niederschläge um den Bereich des Mittelmeers geben wird und in der Steiermark sind wir gerade im Randbereich dieses Einflusses. Das haben wir auch in der Vergangenheit beobachtet. Im Mittel haben sich die Niederschläge in den letzten Jahrzehnten in Österreich kaum verändert. Im Norden von Österreich ist es allerdings tendenziell mehr und im Süden tendenziell weniger geworden – das sagen uns die Klimamodelle für die Zukunft auch so ähnlich vorher. Mit der Einschränkung, dass wir die mögliche Veränderung aus den Mittelmeertiefs nicht genau vorhersagen können.

Welche Tendenzen gibt es bezüglich Intensität und Häufigkeit von Niederschlagsereignissen?

Dr. Ulrich Foelsche: Wenn wir uns Stationsdaten der Vergangenheit weltweit anschauen, dann sieht man tendenziell, je wärmer Orte sind, desto mehr Niederschlag kommt in Form von intensiven Niederschlagsereignissen. 2014 haben wir ein Buch herausgegebenen: Sachstandsbericht Klimawandel Österreich. Dort war ich verantwortlich für das Kapitel des beobachteten Klimas. Dort haben wir zusammengefasst, was es bis 2012 an Beobachtungen gab. Dort gab es noch kein völlig einheitliches Bild, ob die Ereignisse häufiger werden. Mit allen Überlegungen drum herum ist es relativ klar, dass man sich darauf einstellen sollte. Wenn man sich auf eine Änderung einstellt, dann eher darauf, dass sie häufiger werden.

Eine Zunahme von wetterbedingten Schadenfällen ist also nicht in erster Linie auf ein Mehr an Wetterereignissen zurückzuführen?

Dr. Ulrich Foelsche: Die Schadenfälle durch Hochwasser sind längst nicht nur durch Niederschlagsereignisse bestimmt. Da gibt es viele Effekte, die mitspielen. Rückversicherer sehen ganz deutlich, dass es eine Zunahme von wetterbedingten Schadenfällen gibt, was aber nicht in jedem Fall zwingend heißt, dass sich auch die Wetterereignisse, die dafür verantwortlich sind, geändert haben müssen, sondern, dass viel mehr Leute in Regionen leben, wo sie früher nicht gelebt haben und mehr versichert ist. Bei Hagel sieht man bis jetzt auch keine deutliche Änderung. Aber es macht einen großen Unterschied, ob ich in einem zersiedelten Gebiet lebe oder nicht. Bei jedem einzelnen Hagelereignis ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass ich etwas treffe. Habe ich im Keller Koks oder habe ich einen Partykeller? Habe ich Solarzellen am Dach? Bei Hochwasser kommt noch mehr dazu. Veränderung der Niederschläge, des Bodens (Versiegelung) oder des Bebauungsplans. Oft entscheidet der Bau eines Rückhaltebeckens viel mehr als die Änderung der Niederschlagsereignisse.

Die Schadenfälle durch Hochwasser sind längst nicht nur durch Niederschlagsereignisse bestimmt.

Wir beobachten als Schadendienstleister vermehrt Tornados oder Schneisen, die durch Wälder und Regionen fahren, oder nehmen wir das nur stärker wahr?

Dr. Ulrich Foelsche: Der schlimmste Tornado in Österreich war 1916 in Wiener Neustadt und hat 32 Todesopfer gefordert. Der intensivste Tornado im Raum Graz war 1927. Wenn wir uns die Tornadostatistik anschauen, würden wir den Eindruck haben, dass Tornados nur in Städten auftreten, was natürlich nicht plausibel ist. Das hängt damit zusammen, dass es seltene Ereignisse sind und wir heute intensiver beobachten. Wir haben ein immer dichteres Netz und daher wird es zunehmender wahrscheinlicher, dass wir genau dort messen, wo das Maximum ist.

Es gibt vermehrt private Messstationen von Wetterdaten. Bedienen Sie sich solcher Einrichtungen?

Dr. Ulrich Foelsche: Gerade bei Niederschlagsmessungen ist ein ganz großes Thema die Datenqualität. Hagel kann schwer automatisiert erfasst werden. In diesem Fall sind Bilder in sozialen Medien hilfreich. Mehr und mehr Leute haben Handys mit Fotofunktion und daher sieht man eine unglaubliche Zunahme an beobachteten Ereignissen, aber das bedeutet nicht automatisch, dass sich das Phänomen selbst so verändert hat.

Szenenwechsel Versicherungslandschaft. Stellen Sie sich bitte vor, Sie halten plötzlich das Ruder bei einer Versicherung in der Hand. Wie würden Sie agieren? 

Dr. Ulrich Foelsche: Ich würde den engen Kontakt mit der Forschung aufrechterhalten. Außerdem würde ich Masterarbeiten unterstützen, was sich vergleichsweise schnell rentiert. Wichtig ist, dass man am Puls bleibt und das ganze Bild sieht.

 

Professor Dr. Ulrich Foelsche ist seit mehr als 10 Jahren im Wegener Center für Klima und globalen Wandel tätig und beschäftigt sich dort mit globalem Klimamonitoring. Außerdem ist Prof. Dr. Foelsche Institutsvorstand am Institut für Physik an der Karl Franzens Universität in Graz und verantwortlich für die meteorologische Station der Universität Graz. Er verfasst regelmäßig Publikationen zum Thema Klimawandel in Österreich.

Klicktipps:

Aktuelle Messdaten werden laufend auf der Website der meteorologischen Station der Universität Graz veröffentlicht.

Wer an den Vergangenheitsdaten interessiert ist, kann auf die digitalisieren Klimabögen zugreifen, die auch dort abrufbar sind. Bei den einzelnen Dekaden sind ausgewählte Ereignisse hervorgehoben.

 

Sommerzeit ist Unwetterzeit – Hochsaison bei faircheck

2016 war global betrachtet das weltweit wärmste Jahr seit Beginn der Messungen. 2017 scheint diesem Trend zu folgen. Mit der Hitze kommen auch Unwetter. Überflutungen und Klimawandel hängen, wenn auch anders als erwartet, zusammen, zeigt eine neue Studie. Eines ist sicher: In den Sommermonaten ist für Schadendienstleister wie faircheck Hochsaison. faircheck Schadenregulierer sind vor Ort gefordert, rasch Lösungen zu finden und agieren als Schnittstelle zwischen Versicherer, Versicherten und Reparaturfirmen.

Laut dem kürzlich erschienenen 27. Berichts der US-Klimabehörde NOAA war das Jahr 2016 global betrachtet das wärmste seit Beginn der Messgeschichte vor 137 Jahren. Die bedrohlichen Rekorde des El-Niño-Jahres betreffen insbesondere die CO2 Konzentration und die Temperaturniveaus. Im weltweiten Durchschnitt wurde die 400 Teilchen pro Million CO2-Marke überschritten. Die CO2 Konzentration liegt 2016 somit bei 402,9 Teilchen pro Million. Die Steigerung von 3,5 ppm gegenüber dem Vorjahr stellt einen weiteren Rekordwert dar. Das arktische Meereis verringerte sich und die Oberflächentemperatur der Ozeane nahm weiter zu. In Europa war 2016 das drittheißeste Jahr nach 2014 und 2015. Von den Temperaturniveaus her fügt sich Österreich laut Statistik der ZAMG mit dem Juli 2017 auf Platz 20 in der Kategorie „wärmste Julimonate seit 1767“ ein.

Unwetter verbreitet – mehr Überschwemmungen durch Klimawandel?

Eine groß angelegte Studie der TU Wien unter der Leitung von Günter Blöschl, die unlängst veröffentlicht wurde, konnte zeigen, dass der Klimawandel Auswirkungen auf Überschwemmungen in Europa hat (Link zur Studie). Anders als vermutet, hat der Klimawandel nachweislich, vor allem Auswirkungen auf die zeitliche Verschiebung beim Auftritt von Hochwasserereignissen. In Österreich blieben die Ereignisse vom Zeitpunkt her relativ ähnlich. Allerdings hätten laut Studienleiter Günter Blöschl gerade die Häufigkeit und Intensität der Hochwasserereignisse nördlich des Alpen-Hauptkamms in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.

Lösungen bieten – fairchecker regulieren Schadenfälle österreichweit

Aufgrund der Wetterkapriolen kam es in ganz Österreich bereits zu massiven Unwettern mit Starkregen, Blitzschlag und Hagel, die Schäden in Millionen Höhe verursachten. Unsere faircheck Schadenregulierer sind intensiv im Einsatz und besichtigen bzw. regulieren Schadenfälle zeitnah auch in jenen Gebieten, die schwer oder nur eingeschränkt erreichbar sind. Dies erfordert neben einer besonderen Vorbereitung und Planung das Commitment von faircheck, Schadendienstleistungen gerade in schweren Zeiten mit einer hohen Serviceorientierung für die Betroffenen abzuwickeln.

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