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Thomas Neusiedler, CEO Helvetia, im Interview: Wie Digitalisierung und Automatisation die Branche verändern wird

Veränderte Erwartungshaltungen von Versicherungsnehmern sowie Digitalisierung und Automatisation prägen die Branche. Im Interview erzählt Thomas Neusiedler, CEO Helvetia Österreich, wie er die (Weiter-)Entwicklung der Branche sieht und gibt Einblicke in seinen Werdegang und seine Ziele als CEO.

Wie haben Sie die Veränderung und die Entwicklung der Versicherungsbranche in den letzten 15 Jahren erlebt?

Thomas Neusiedler: Da möchte ich ein wenig weiter ausholen: Die Helvetia ist 160 Jahre alt und hat Weltkriege und Umstellungen von Regierungsformen überlebt. Da mögen 15 Jahre sehr kurz wirken. Allerdings sind wir mittendrin in einer deutlichen Umstellung des Berufslebens in Richtung Automatisierung und Digitalisierung, was man in den letzten zwei bis drei Jahren extrem gemerkt hat. Man sieht nun einen deutlich stärkeren Regulierungsansatz in den Versiche-rungen. Weiters hat sich die Ergebnissituation im Bereich Leben deutlich verändert, dies betrifft auch mittelbar den Nicht-Lebensbereich. Natürlich hat sich auch der Druck, Geld zu verdienen, ausgeprägt. So ist eine Professionalisierung im Nicht-Lebensbereich eingetreten, was im Endeffekt dazu führt, dass man schaut, wo man schlank wird und schlank bleiben kann.

Welche Anforderungen hat der Kunde heute im Vergleich zu vor 15 Jahren und inwieweit kann die Helvetia das bereits erfüllen?

Ich persönlich denke, dass sich die Kundenstruktur nicht so drastisch verändert hat. Im Gegensatz dazu hat sich das Vermittlerverhalten stark gewandelt. Hinzu kommen die neuen Anforderungen an Online-Versicherungen, die mich an den sprichwörtlichen Dornröschenschlaf erinnern: Innerhalb der Branche wird das The-ma heiß diskutiert, aber so richtig große Marktanteile haben wir online nicht – weder bei uns im Haus, noch am Markt. Aber in Wahrheit wissen wir nicht, was das Dornröschen hinter der Dornenhecke gemacht hat. Hat es wirklich geschlafen oder doch gearbeitet, bis es sich entschieden hat, wieder zu erscheinen? Ich glaube, eine zeitgemäße Agilität ist wichtig, sodass man als Versicherung wendig bleibt und schnell neue Produkte online bewirtschaften kann. Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten für völlig neue Versicherungsprodukte sind existenzbedrohend, wenn Online-Szenarien von heute auf morgen umgesetzt werden.

In Österreich haben Versicherer gegenüber Deutschland überhaupt keine Marktanteile online. Ist das auch ein Servicethema?

Die Jungen und deren attestierten Wunsch nach Online-Produkten haben wir im Blick, allerdings fallen sie noch kaum ins Gewicht. Der Rolle des klassischen Versicherungsvermittlers bleibt unangefochten wichtig. Häufig wird das erste Auto von Eltern oder Großeltern verschenkt, die gleichzeitig die Versicherung für sie abschließen. Damit ist die Kaufentscheidung der ersten Stunde also nicht bei den jungen Leuten selbst, sondern bei den Vorgenerationen. Wir bemerken allerdings, dass es vor allem bei den Jungen eine andere Erwartungshaltung gibt. Wenn ich heute eine E-Mail schreibe, so erwarte ich mir, dass ich in 48 Stunden eine Antwort bekomme – zum Beispiel im Schadenfall, um einen Besichtigungstermin auszumachen. Vor 15 Jahren oder noch früher, als ich das erste Mal in die Versicherungswelt hineingeschnuppert habe, da war das alles noch ganz anders. Die Erwartungshaltung gegenüber der Geschwindigkeit ist demnach eine ganz an-dere, und da sind wir sicher noch nicht am Ende angelangt.

Wenn wir an die zukünftige Strategie der Helvetia denken, inwieweit werden da künstliche Intelligenz oder neue Softwarelösungen in der Schadenbegutachtung eine Rolle spielen, um für den Kunden schneller Lösungen zu erzielen?

Wir sind sehr stolz darauf, dass wir innerhalb von 48 Stunden ungefähr 80% unserer Schäden erstbearbeiten können. Besonders spannend ist, dass wir mit Me-thoden aus dem Bereich Robotics experimentieren und Sparten, die wir schnell abwickeln können, – zum Beispiel Glasbruchschäden oder Beratungsrechtsschutz – mit einer Form von Automatisierung zu bearbeiten. Das funktioniert überall dort, wo die Schadensstrukturen sehr homogen sind. Ich würde daher eher von einer Automatisierungsstrategie reden, als von einer Künstliche-Intelligenz-Lösung, weil ich glaube, dass das heute noch sehr vermischt wird. Der Schadensprozess als solcher ist für uns ein gewaltiger Hebel, bei dem wir sagen, dass wir mit Automatisierung und mit intelligenten technischen Lösungen schlank bleiben. Ich möchte absichtlich nicht sagen „schlank werden“, denn das ist in unserem Haus definitiv mit unseren Mitarbeitern ausgesprochen: Wir wollen mit der bestehenden Belegschaft die Wachstumsszenarien für die nächsten fünf Jahre entwickeln und realisieren.

Wie wird sich die Arbeitsweise der Mitarbeitenden ändern, und wie bereitet man diese darauf vor?

Entgegen der öffentlichen Darstellung muss man den Menschen gegenüber ehrlich sein, dass es sehr wohl einen gewissen Druck gibt. Wer gewillt ist, sich weiterzuentwickeln, braucht allerdings keine Angst zu haben! Die Herausforderung, die wir haben, ist unsere Mitarbeitenden bei diesen Schritten zu begleiten. Das machen wir gerne und ich sehe unser Bekenntnis dazu als wichtigen Punkt für eine gelungene Unternehmenskultur, die Mitarbeitende wiederum zu Höchstleis-tungen motivieren kann.

Ist die Helvetia-Akademie ein Kanal, der diesen Prozess unterstützen soll?

Die Helvetia-Akademie richten wir sehr stark in die Richtung des Außendienstes. Die operativen Leute werden am Arbeitsplatz versorgt. Die Herausforderung, die ich aber sehe, ist, dass wir bewusst ein dezentrales System umsetzen. Damit unterscheiden wir uns stark von den Branchengrößen, die über die letzten 10 Jahre stark auf Zentralisierung gesetzt haben. Hier spielt uns auch der Zeitgeist in die Karten: Mittlerweile gibt es so viele technologische Möglichkeiten, dass es vollkommen egal ist, ob unsere Mitarbeitenden in Wien, Graz oder woanders tätig sind. Die Arbeit wollen wir zu den Menschen bringen, und nicht umgekehrt. Da brauchen wir aber auch Antworten, wie wir qualifizieren und wie wir unsere Qualität auch bei räumlicher Distanz halten können.

Studien beleget, dass der Versicherungsnehmer immer autarker werden möchte. Welche Rolle spielt das Thema EDV bzw. IT in der Helvetia, um das zu unterstützen?

EDV und Versicherungen sind ein leidiges Thema. Die zusätzliche Ministerin von Digitalisierung hat vor geraumer Zeit gesagt, dass von österreichischen Banken nicht viel außer EDV überbleiben wird. Ich glaube, man könnte diese Aussage auch auf Versicherungen übertragen. Von diesem Standpunkt ausgehend muss man bejahen, dass das EDV-Thema sehr zentral sein wird. Dem muss man sich stellen. Versicherungen wird es meiner Meinung nach auch in 50 Jahren noch geben, aber die Spielregeln werden sich auf jeden Fall geändert haben. Der technische Eingangsweg des Kunden zum Versicherer wird die Visitenkarte sein. Es geht um Lösungen, die beim Kunden präsent sind.

Wie sieht ihre Strategie in Bezug auf die Einbindung von InsurTechs zur Bereitstellung von Services aus?

Also sehr direkt gesagt, habe ich noch sehr wenig InsurTechs gesehen – vor allem in Österreich nicht, – die mich so begeistert haben, dass ich als Versicherer beeindruckt bin. Ich glaube, dass Insur-Techs und Startups eine gute Lösung sein können und auch sein werden, weil sie zum Beispiel viel mehr Agilität mitbrin-gen können als Versicherer mit 3.000 Angestellten. InsurTechs können auf eine gewisse Art und Weise zu Partnern von Versicherungen werden.

Wie haben sich die Anforderungen an die Versicherungsdienstleister in den letzten Jahren verändert?

Ich glaube, dass es auf Dienstleister-Seite eine Professionalisierung gab. Vor 15 bis 20 Jahren gab es vorwiegend Ein- oder Zweimannbetriebe. Aktuell werden die Mittleren und Großen eher stärker, und die Kleinen werden wahrscheinlich tendenziell verschwinden. Der Regulator spielt mit. Die Diskussionen, was anzeigepflichtiges Outsourcing ist, sind in den letzten 15 Jahren in der Versicherung eindeutig schärfer geworden. Da glaube ich, dass der Druck auch bei den Versicherungen da ist.

War es schon als Kind ihr Ziel CEO einer Versicherung zu sein oder war die Entwicklung dorthin eher zufällig?

Mein Vater war über vierzig Jahre im Versicherungsbereich tätig – so hatte ich fast keine andere Chance (lacht). In Wahrheit war der Katalysator der, dass ich dadurch nie Berührungsängste zur Branche selbst hatte. Der Weg in die Versicherung hinein war also ein bisschen vorherbestimmt, aber, dass es sich so entwickelt hat und dass ich nun Vorstandsvorsitzender von der Helvetia bin, das konnte ich sowieso nicht planen. Du kannst meiner Meinung nach nur jeden Tag ins Büro ge-hen mit der Einstellung, dass du das, was du machst, gut machst. Kolleginnen und Kollegen in der Branche, die mich beeindrucken, sind auch die, die wirklich im Thema ‚drinnen‘ sind, und nicht die, die einem gewissen Ideal hinterherjagen. Diese Authentizität ist auch, was Sie über viele Jahre der Kooperationspartnerschaft mit faircheck auszeichnet… Ich denke, es ist wechselseitig, dass wir einander vertrauen und wissen, was wir aneinander haben.

Was möchten Sie eines Tages hinterlassen, wenn Sie die jetzige Position als CEO verlassen?

Ich finde, man soll der Generation, die nach einem kommt, immer mehr mitge-ben, als man von der Generation davor übernommen hat. Was ich damit sagen will, ist, wenn ich heute einen Nicht-Lebensbestand übernehme, der ca. bei 220 Mio. Euro liegt, dann ist meine Ambition, dass die Helvetia irgendwann einmal auf die 500 Mio. Euro zusteuert, und das durch eigene Kraft. Die Vision ist also ein größeres, gestärktes und zukunftstaugliches Unternehmen weiterzugeben, bevor ich zum größten österreichischen Arbeitgeber, der PVA, wechsle.

Vielen Dank für das Interview und für Ihre Zeit. Alles Gute für die Zukunft.

Thomas Neusiedler, CEO Helvetia Thomas Neusiedler studierte Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Spezielle Versicherungswirtschaft, bevor er in der Versicherungsbranche tätig wurde. Seit 2012 war Thomas Neusiedler Vorstand für das Ressort Schaden-Unfall für Helvetia Österreich und übernahm mit 1. Jänner 2020 die Leitung von Helvetia Österreich.

Schadenregulierung während der Corona-Krise und „danach“

Die „neue Normalität“ hat Einzug gehalten. Aktuell sind wir in ganz Österreich mit Videoexpertise VEX und persönlich vor Ort im Einsatz! Beides ergänzt sich. Die Corona-Zeit war eine herausfordernde Zeit mit wertvollen Erfahrungen.

Die Corona Krise hat ihre Spuren auf der ganzen Welt deutlich hinterlassen und auch die Dienstleistungsbranche wurde ordentlich durcheinandergewirbelt.

Dank unserer Videoexpertise VEX konnten wir ununterbrochen Schäden besichtigen. Die Kunden waren positiv überrascht über die einfache und komplikationsfreie Möglichkeit der Schadenbegutachtung. Wir halten uns natürlich überall an die Maßnahmen der Regierung, tragen bei der Begutachtung Schutzmasken und halten Abstand. Sämtliche Hygienevorschriften werden eingehalten. Dadurch waren auch unsere Schadenexperten in der Lage, ihren Betrieb weiterhin aufrecht zu erhalten. Die Qualität der Berichte war sehr positiv und wir werden diese Möglichkeit der Besichtigung weiterhin vorantreiben.

Feedback während Corona-Lockdown von einem Versicherungsnehmer aus Altlichtenwarth (Niederösterreich):

Der Sachverständige war sowohl am Telefon als auch bei der Besichtigung/Begutachtung sehr freundlich, kompetent und lösungsorientiert! Er erkannte das Problem schnell – vor allem haben wir am selben Tag die Begutachtung gehabt, das ist selten der Fall. Der Sachverständige war pünktlich und freundlich. Hut ab! Abschließend darf ich mitteilen, dass ich dankbar bin, dass wir während der Corona Pandemie so rasch und problemlos einen Termin für die Besichtigung bekommen haben! Großes Lob!

Eines ist aber klar: Der Kunde wünscht die persönliche Betreuung und geht wieder vermehrt in die Besichtigung vor Ort, sofern es seine Terminplanung und seine gewohnte Art der Kommunikation zulässt. Da wir beide Alternativen anbieten können, sind wir hier sehr gut aufgestellt.

Die „neue Normalität“ tritt vermehrt ein und wir sind schon wieder voll und ganz im Einsatz! In der Zeit hat sich Homeoffice fürs Backoffice bewährt und dennoch sind die KollegInnen motiviert, hin und wieder in das Headquarter nach Stattegg zu kommen.

Ein besonderes Dankeschön gilt unseren Auftraggebern und Ihrer Treue zu faircheck, damit wir wieder dort weitermachen können, wo wir bei Corona aufhören mussten und natürlich unseren Schadenexperten, die sehr flexibel agieren.

Neue Chancen nach dem Lockdown

Auch wir nutzten den Lockdown, um uns generell in allen Prozessen und Positionen zu überdenken. Dafür gibt es bei uns nun die Möglichkeit, neue Positionen zu besetzen, wie zum Beispiel die Position eines Chef-Sachverständigen, der die bau- und kalkulationstechnische Betreuung aller Schadenexperten in Österreich übernehmen wird. Details dazu auf unserer Website unter Einstieg & Karriere bei faircheck

fairmedia als E-PAPER

Da Vorstände, Schadensachbearbeiter sowie Schadenmanager möglicherweise noch im Homeoffice tätig sind oder zwischen Homeoffice und Office alternierend pendeln, haben wir uns dieses Jahr dazu entschlossen, unser Kundenmagazin zusätzlich als E-Paper zu veröffentlichen. Hier finden Sie unsere fairmedia in digitaler Form als E-Paper. 

Sollten Sie ein (weiteres) Printexemplar wünschen, können Sie gerne ein Exemplar kostenlos bestellen. 

Ab Mai in der Verteilung: Wir präsentieren fairmedia 2020

fairmedia erscheint 2020 bereits zum 5. Mal. Digitalisierung und Innovationen bzw. neue Denk- und Wirkweisen sind zentralen Themen der fünften Ausgabe. Gerade in der Krise beobachten wir, dass diese Schwerpunkte besonders wichtig sind. Schadenexperten, Schadensachbearbeiter in Versicherungen, Schadenmanager, Versicherungsvorstände und andere Interessenten erhalten das Magazin ab 4. Mai in ganz Österreich zugesandt. Alle Interessierten können sich ein Exemplar des Magazins kostenlos bestellen. 

Auch dieses Jahr sind wieder spannende Themen mit dabei. Ein kleiner Auszug:

– Interview mit Thomas Neusiedler, CEO Helvetia Versicherungen AG

– Reportage zu 15 Jahren faircheck mit den beiden Geschäftsführern Andrea und Peter Winkler

– Einblicke rund um Künstliche Intelligenz im Schadenmanagement von den Versicherungsforen Leipzig

– Interview mit dem Geschäftsführer vom deutschen InsurTech cum.sumo GmbH

– Extremsportler Wolfgang Fasching erzählt über mentale Stärke und seine Erfahrungen bei Race Across Europe 2019

– und vieles mehr.

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Hier geht es zum Bestellformular. 

Jahresrückblick: Starfotograf Mathias Kniepeiss Interviewgast für fairmedia 2019 zum Thema Drohnenfotografie

Im Interview erzählt der international gefragte Fotograf und Art Director Mathias Kniepeiss alias Mateo Moém über seine Leidenschaft, seine Projekte, verrät, worauf es bei einem guten Foto ankommt und wie man sich vor Fake-Bildern schützt. Als Teamfotograf für Red Bull Racing hielt er Sebastian Vettels Aufstieg zum Weltmeister fest. Geschwindigkeit und Sport faszinieren ihn. Er ist seit 2018 offizieller Fotograf der Drone Champions League, wo er bis zu 150 km/h schnelle Drohnen auf Fotos darstellt.

Wann und zu welchem Zweck waren Sie das letzte Mal im faircheck Büro in Graz?

Mathias Kniepeiss: In diesem Büro war ich noch nie. Es ist megaschön – so offen und lichtdurchflutet. Ich kannte bisher nur die alte Location in Graz-Andritz, wo ich 2012 für ein Fotoshooting war.
Ihre Leidenschaft ist das visuelle Arbeiten. Wie ist es dazu gekommen?
Begonnen hat bei mir alles mit dem Zeichnen und der Malerei in meiner Jugend. Das ist die Verbindung mit der Fotografie und dem Filmen, das ich mittlerweile mache. Es ist das Spiel mit Licht, Farben, Linien und Formen. Jetzt ist es die technische Umsetzung mit der Fotografie und dem Film. In meiner Kindheit war es für mich das Zeichnen. Ich bin oft tagelang in der Natur gesessen. Meine Tante hat mich immer irgendwo hingesetzt und dann war Ruhe, denn ich habe gezeichnet und gemalt.

Drohnenfotografie ermöglicht eine neue Perspektive.

Wurden Sie auf Ihren kreativen Wegen von Ihrem Umfeld immer unterstützt?

Wenn ich etwas machen will, dann ziehe ich es durch. Unterstützung zu bekommen, hilft natürlich.

Was hat es mit dem Thema Drohnenfotografie Ihrer Meinung nach auf sich?

Drohnenfotografie ist extrem spannend geworden, weil es eine neue Perspektive ermöglicht. Du kannst mit Drohnen Bird-Eye-Views machen und die Perspektive wechseln. Das ist das, was Menschen fasziniert und aufgrund der Drohnenfotografie ist das für jeden Menschen möglich.

Sie ändern auch bei der Drohnenfotografie die Perspektive und machen Fotos von Drohnen. Wie das?

Ich habe mich von Anfang an auf Geschwindigkeiten und Sport fokussiert. 5 Jahre lang war ich Teamfotograf bei Red Bull für die Formel I und habe mich auch dort mit extremen Geschwindigkeiten beschäftigt. 2017 bin ich von der DCL (Drone Champions League), also der Champions League der besten Drohnenpiloten der Welt, angefragt worden. Sie haben vier Fotografen aus der ganzen Welt eingeladen und ich habe diesen Wettbewerb gewonnen. Seitdem bin ich offizieller Fotograf der Drone Champions League. Das ist mit Abstand das Schwierigste, was ich je fotografiert habe. Die Drohnen sind 12 cm groß, in 1,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und bewegen sich mit Top-Speeds von 150 km/h vertikal und horizontal. Es war damals eine neue Sportart und es gab keine Vorerfahrungen.

Superspeed: Drone Champions League bei den Redbull Playdays in Spielberg.

So habe ich mir alles selbst erarbeitet und andere Fotografen lernen heute von mir. Die DCL hat mir die Freiheit gegeben, ohne Vorgaben zu arbeiten, weil ich gute Ergebnisse liefere. Das macht irrsinnig viel Spaß.

Die Drohnen für die Drone Champions League sind mit Abstand das Schwierigste, was ich je fotografiert habe.

Sie sind auch Sony Global Imaging Ambassador? Wie kamen Sie dazu?

Ich bin Anfang 2018 gefragt worden, ob ich Sony Ambassador für Österreich sein möchte, weil Sony eine neue Technologie auf den Markt gebracht hatte, die mich irrsinnig interessiert hat. Ich habe mich mit dem Österreichchef getroffen, der mir das Angebot gemacht hat, Markenbotschafter zu werden, dass ich im ersten Schritt abgelehnt hatte, da ich nicht Markenbotschafter von etwas bin, das ich nicht kenne und von dem ich nicht überzeugt bin.
Daraufhin erhielt ich eine Kamera zum Testen, die ich auch beim Projekt „Faces of Venice“ eingesetzt habe. Aufgrund der Projekte und meiner Arbeit bin ich Mitte 2018 Sony Global Imaging Ambassador geworden und bin einer von drei Markenbotschafter im deutschsprachigen Raum.

Wie gehen Sie an ein Projekt, wie die bekannte Rococo-Serie heran?

Die Grundidee muss stehen. Wir wollten Kostüminszenierungen machen, wo sich Vergangenheit und Gegenwart widerspiegeln. Mit Akteuren, die in wunderschönen Gewändern gekleidet waren, wurde in 4 Szenen ein Tagesablauf abgebildet – von einem anmutigen Tanz bis zum Sex bzw. von wunderschön bis zur puren Provokation. Wir haben uns ein Original-Rococoschloss gesucht. Von der Location ausgehend fange ich an zu zeichnen und zu skizzieren. Ich überlege mir, wie ich den Bildaufbau mache, wie viele Personen ich benötige, welche Kostüme, etc.

Rococo-Serie: Eine beeindruckende Kostüminszenierung von Mathias Kniepeiss

Aus diesen Details male ich mir im Kopf das gewünschte Bild und setze es dann vor Ort mit meinem Team um. Für jeden Shot haben wir ungefähr 3 bis 4 Stunden benötigt. Das Ziel bei der konkreten Umsetzung ist es, so nah wie möglich an das Bild im Kopf heranzukommen. Ein paar Jahre später gab es mit „Faces of Venice“ ein Projekt in Venedig, wo ich ganz ohne Konzept vorgegangen bin, um mehr „Outside of the box“ zu agieren. Daraus haben wir alle sehr viel gelernt. Diese Gruppendynamik und die Aufregung rund um alles neu und alles anders hat daraus ein faszinierendes Projekt gemacht.

Das Ziel bei Kostüminszenierung ist es, so nah wie möglich an das Bild im Kopf heranzukommen.

Was ist für Sie ein gutes Foto?

Ein gutes Bild ist für mich unabhängig von Technik, Kamera und Auflösung. Es ist etwas Emotionales. Wenn Gefühle und Emotionen eingefangen und transportiert werden und die Betrachter dadurch angesprochen werden. Auch ein informatives Foto kann ein sehr gutes Foto sein, wenn alle Informationen einer Geschichte in dem Foto vereint werden. Bei Kunst und Sport geht es in Richtung Emotionen und bei News und Facts geht es um Informationen.

Unsere Zeit wird auch die Post-Truth Ära genannt. Fotografie ermöglicht das Festhalten von Momenten, wird von Menschen und Medien aber auch dazu benutzt, um zu tarnen und zu täuschen. Wie schmal ist Ihrer Meinung nach der Grad?

Der Grad ist extrem schmal. Beispielsweise wurde der Pressfoto-Award für ein Foto im Kriegsgebiet vergeben, wo man im Nachhinein draufgekommen ist, dass dieses im Studio und nicht im Kriegsgebiet fotografiert wurde. Selbst Experten lassen sich da überrumpeln und überzeugen, dass etwas, das echt ist nicht echt war und umgekehrt.

Wie kann man sich vor einem Fake-Bild oder Fake-Video schützen?

Es ist sehr schwierig festzustellen, was wahr und was falsch ist, daher ist es wichtig zu hinterfragen. Werbung hat beispielsweise den Zweck zu manipulieren, das muss mir bewusst sein. Bei meinen Projekten verwende ich gerne die One-Shot-Methode, d. h. die Fotos werden am Computer nicht bearbeitet. Außerdem biete ich bei Projekten, wie der Rococo-Serie ein Film-Making-Of, damit die Leute reinschauen können und sehen, dass es wirklich so passiert ist. Im Foto und Filmbereich gibt es eine Renderingsoftware, die sämtlichen Videos irgendwo einbauen kann, ohne dass ich sehe, ob das Video echt oder gefälscht ist.

Close-Up

Fotografie ist für Sie
Leidenschaft
Das Schwierigste bei Ihrer Arbeit
bei großen Projekten alle Beteiligten gleichzeitig zusammen zu bringen.
Inspiration holen Sie sich durch
Musik, Filme, Reisen, Reden mit verschiedenen Menschen.
Ein Mensch, der Sie inspiriert hat
Yann Arthus-Bertrand hat mich sehr inspiriert. Sein Leben, sein Schaffen und seine Projekte, wie zB „The Earth from above”.
Ihr Lebensmotto
Momente genießen

Drei Tipps von Mathias Kniepeiss für ein gutes Foto

  1. Vorstellungskraft einsetzen und überlegen, wie einer Person, die nicht dabei war, die relevanten Informationen vermittelt werden können.
  2. Die Perspektive wechseln und eine Stelle aus verschiedenen Positionen heraus fotografieren.
  3. Eine zweite Person hinzuziehen, die nicht dabei war und diese das Foto aussuchen lassen.

Weiterführende Links

Website von Mathias Kniepeiss

Details zur Kostüminszenierung: Mateo Moém 

Offizielle Seite der Drone Champions League

faircheck Café mit fairmedia-Magazin-Release und Keynote von Roland B. Wörner

Mit Blick auf den Stephansdom veranstaltete faircheck am 4. April ein faircheck Café in Wien. Im Rahmen dessen wurde die aktuelle Ausgabe von fairmedia präsentiert. Das hauseigene Magazin informiert bereits das vierte Jahr in Folge über Trends in der Versicherungslandschaft und kundenorientierte Innovationen im Unternehmensumfeld.

Chefredakteurin Martina Satter zum Magazin: „Die unterschiedlichen Perspektiven stehen im Mittelpunkt. Mit Schadenregulierern, einem Starfotografen, einem Versicherungsvorstand oder einem Experten im Bereich Risikomanagement bei Versicherungsbetrug kommen Menschen zu Wort, die jeweils einen Ausschnitt ihrer Welt mitbringen und damit unser aller Betrachtungsweise erweitern.“

Peter Winkler, CEO faircheck, bot erste Einblicke in die druckfrische Ausgabe und brachte in Überlappung die Trends und Neuerungen vom Messekongress Schadenmanagement & Assistance Ende März in Leipzig mit. Die Keynote bei der Veranstaltung im IBM Client Center kam von Roland B. Wörner, einem der weltweit renommiertesten Experten für Fraud Risk Management.

Der Betrugsexperte stuft die Mängel bei der Betrugsprävention von österreichischen Versicherungsunternehmen als Schäden ein, die durchaus bilanzrelevant sind. Roland B. Wörner zu den Zahlen: „Man geht davon aus, dass spartenübergreifend bei zehn Prozent der Schadenfälle Betrug vorliegt. In der Privathaftpflicht liegt der Prozentsatz sogar um ein Vielfaches höher.“

Die Betrugsfälle gehen keinesfalls zurück, ergänzt der ehemalige Kriminalbeamte und bringt zahlreiche Praxisbeispiele. „Ein erfolgreicher Betrüger ist zu 90 Prozent Wiederholungstäter“, erzählt Roland. B. Wörner aus seinen Erfahrungen. Die Branche hat Aufholbedarf, meint Roland B. Wörner, denn bei erkannten Betrugsfällen gebe es nur bei 50 Prozent eine Rückmeldung von Underwriting und Vertrieb.

Roland Wörner beim faircheck Café im IBM Client Center in Wien.

Effektives Schadenhandling verbessert Combined Ratio

Betrugsdefinitionen seien bei einem Großteil der Versicherungsunternehmen vorhanden, aber nicht nachhaltig in die Organisationsprozesse integriert. Es fehle an einer durchgängigen Strategie und Ressourcen im Bereich Mitarbeiter und für technische Innovationen, um diese zu implementieren.

„Die fairApp ist hier ein Thema. Das gehört zu einer besonderen Qualität eines guten Schadenhandlings. Je schneller ich am Schaden bin, umso geringer das Risiko, dass jemand auf die Idee kommt, den Schaden zu erweitern“, erörtert Roland B. Wörner und ergänzt außerdem: „Betrugsprävention gekoppelt mit einem innovativen und guten Schadenmanagement verhindern Betrug und sorgen außerdem für die Combined Ratio, die wir am Ende des Tages sehen wollen.“

Peter Winkler, CEO faircheck: „Roland hat die Keynote wie gewohnt lebendig gebracht. Die Zuhörer waren sehr interessiert und mit dem IBM Client Center hatten wir eine Location gewählt, die den Anforderungen sehr gut entsprochen hat.“ Das ausführliche Interview mit Roland B. Wörner kann in der aktuellen fairmedia-Ausgabe nachgelesen werden, die online bestellbar ist.

faircheck gemeinsam mit Kunden und Partnern auf (neuen) Wegen

faircheck tourte Anfang März durch ganz Österreich und präsentierte die aktuelle Ausgabe des hauseigenen Kundenmagazins fairmedia im Rahmen von vier faircheck Cafés. Die Auftaktveranstaltung fand im faircheck-Headquarter in Graz-Stattegg statt. Es folgten Linz und Wien. Der Abschluss der Veranstaltungsreihe fand in Innsbruck statt.

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Neue Wege gemeinsam gehen“. Es konnten nicht nur zahlreiche Gäste aus der Versicherungslandschaft begrüßt werden. Auch Unternehmer und Partner unterschiedlichster Branchen sowie faircheck-Schadenregulierer folgten der Einladung zu einer der Magazinpräsentationen. Peter Winkler, CEO faircheck: „Die Veranstaltungen waren gut und führten zu netten Gesprächen. Die Protagonisten im Magazin, allen voran Christian Hlade von Weltweitwandern, sind eine absolute Bereicherung für uns.“ Zum faircheck Café in Graz brachte Christian Hlade zahlreiche Anschauungsmaterialien von Weltweitwandern und sein Buch „Wandern wirkt“ mit: „Für mich war die Veranstaltung rund um fairmedia und Wege gehen sehr inspirierend.“

Unter den Gästen im faircheck-Headquarter war auch Karl Zimmermann, der Bürgermeister der Gemeinde Stattegg. Künstler Hans Beletz, der gemeinsam mit der Gemeinde Stattegg das von Andrea Winkler initiierten Sozialprojekts „fairLesen“ von faircheck unterstützte, war ebenfalls vor Ort. Ein Interview mit ihm und Andrea Winkler zur Bedeutung von Kreativität und Kunst für Unternehmer kann in der aktuellen Ausgabe nachgelesen werden. „Es ist eine große Freude, dass unsere Themen auf ein so breites Interesse stoßen“, resümiert Andrea Winkler, CEO von faircheck, die Magazinpräsentationen des faircheck Cafés in Graz-Stattegg, Wien, Linz und Innsbruck.

Ein Roboter als Gastsprecher und weitere Inspirationsmomente

Beim faircheck Café am Dienstag in Wien durfte faircheck einen besonderen Gastsprecher vorstellen. NAO, der humanoide Roboter aus dem Hause IBM begrüßte die Gäste zu Beginn der Veranstaltung. Peter Winkler, CEO faircheck: „Vom Publikum wurde NAO sehr gut angenommen. Das Beklatschen war für die Gäste allerdings gewöhnungsbedürftig.“


Neben zahlreichen Delegierten unterschiedlicher Versicherer durften wir in Wien unter den Anwesenden auch Andreas Millonig, CIO der Roland Schmid Gruppe, und Hannes Arrich, Prokurist der IMMOunited GmbH, begrüßen. fairmedia-Interviewpartner Werner Lasser, Auto Lasser und Klimatologie-Experte Professor Dr. Ulrich Foelsche waren bei allen faircheck Cafés per Videobotschaft dabei.

Sie können gerne ein Magazin kostenlos bei uns bestellen und anschließend am Gewinnspiel von faircheck teilnehmen. fairmedia-Leser können nämlich an der Verlosung für eine funktionelle und trendige Tasche aus dem Hause heidenspass mitmachen.

Link zur offiziellen Presseaussendung

„Das Gehirn ist ein Werkzeug“

Über den Tellerrand schauen, was Innovationen betrifft und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, gehen bei faircheck Hand in Hand. 2017 organisierte Andrea Winkler zum zweiten Mal das Leseevent „fairLesen“ gemeinsam mit der Kleinen Kinderzeitung und der Gemeinde Stattegg. Künstler Hans Beletz unterstützte dieses Jahr den kreativen Vormittag an welchem rund 50 Volksschulkinder aus unterschiedlichen Schulen teilgenommen haben. Im Interview erzählen Hans Beletz und Andrea Winkler über Kopflastigkeit, kreative Auszeiten und zukünftige soziale Projekte.

Hans Beletz, Sie sind als Künstler über die österreichischen Grenzen hinaus bekannt. Aus welchen Gründen haben Sie das faircheck-Event „fairLesen“ unterstützt?

Hans Beletz: So ein Projekt kann man immer unterstützen, denn das Thema Lesen ist wichtig. Was dazukommt, ist, dass ich zu faircheck eine besondere Beziehung habe. Die lange Bekanntschaft und Verbundenheit zu faircheck macht es noch leichter, gemeinsam einer guten Sache nachzugehen.

Warum ist gerade das Thema Lesen bzw. Kreativität so wichtig?

Andrea Winkler: Die Kinder von heute sind die Kunden und Mitarbeiter von morgen. Leute, die nicht gut lesen und sich nicht artikulieren können, tun sich schwer im Leben. Bei den Kindern war Lesen früher größer geschrieben als heute. Aktivitäten wie mit Ton arbeiten oder mit einem Künstler malen und einem Autor vorgelesen zu bekommen, machen den Kopf frei und in weiterer Folge auch mehr Lust auf Lesen. Die Förderung von Kindern ist auch in unserer unmittelbaren Umgebung wichtig. Deswegen haben wir Schulen in unserem Umfeld in die Veranstaltung eingebunden.

Hans Beletz: Wenn ich lese, dann habe ich Bilder im Kopf und dann kann ich meine Kreativität ausdrücken. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, dass Kinder in der ersten Klasse schöne Bilder und in der zweiten Klasse schon weniger schöne Bilder malen. In der vierten Klasse wird dann schon gar nicht mehr darauf Wert gelegt.

Früher war Lesen größer geschrieben als heute.

Was nehmt ihr vom Event „fairLesen“ mit?

Andrea Winkler: Die Kinder waren, obwohl die Veranstaltung schon gegen Ferienende war, sehr aufnahmefähig. Das Miteinander war besonders. In dem Moment, als die Kinder etwas Kreatives machen durften, haben sie viel mehr Rücksicht aufeinander genommen und sich schulübergreifend ausgetauscht.

Hans Beletz: Wir fördern alle den Kopf und andere Dinge fördern wir nicht mehr. Das Gehirn ist aber nur Werkzeug. Das Gehirn muss die Position der Unterordnung haben und es hat heute die Oberhand und dadurch zerstören wir viel. Wenn wir das Innere wieder hervorholen, könnten wir alle mit viel Schönes schaffen, achtsamer leben und das hat viel mit Kunst zu tun.

Wie kann die Kreativität bei Kindern und Erwachsenen gefördert werden?

Andrea Winkler: Vor nicht allzu langer Zeit habe ich selbst einen Workshop mit einem Künstler in einer kleinen Runde organisiert. Ich war sehr erstaunt, wie offen ich nach dem kreativen Arbeiten war und wie sich meine Denkwelt verändert hat. Ich glaube, es ist wichtig, uns zwischendurch unsere Kopflastigkeit bewusst zu machen und mehr mit Herz und Intuition zu arbeiten. Bereits in Kindergarten und Volksschulen könnte das kreative Arbeiten mehr gefördert werden.

Hans Beletz: Warum können nicht schon in der Schule mehr die Einzelpersönlichkeiten gefördert werden? Wenn ich Kurse mache, dann versuche ich, die Teilnehmer in ihrer individuellen Art und Weise zu unterstützen, was wiederum das Selbstvertrauen stärkt. Ich hatte Claus Pack an der Kunstakademie. Die ganze Klasse hat gemalt wie er. Unbewusst habe ich mich so geschämt, weil ich gemacht habe, was mir getaugt hat. Am letzten Tag ist er gekommen und wollte mich bei einem vertiefenden Kurs dabeihaben, weil er gemerkt hat, dass ich meinen Weg gehen will.

Mit Kunst öffnet man sich für neue Ideen und Wege.

Funktionieren steht bei uns an erster Stelle. Wie kommen wir aus dem unbewussten automatischen Handeln bzw. aus dem Hamsterrad heraus?

Hans Beletz: Bis zu einem gewissen Grad komme ich nicht raus, aber wenn ich beispielsweise lese, mache ich ja genauso Pausen zwischen den Sätzen, dann kann ich das im Leben auch machen und ich lebe sofort mehr im Moment.

Andrea Winkler: Atemübungen und den Moment wirken lassen, kann helfen. Wenn ich beispielsweise einfach die Bilder eines Künstlers auf mich wirken lasse, bin ich bereits mehr bei mir selbst und kreativer.

Wie wichtig ist Kreativität und Kunst für Unternehmen?

Andrea Winkler: Gerade für Unternehmen ist Kreativität wichtig. Ich glaube, dass Unternehmen, die bewusst Auszeiten für schöne Dinge im Leben gewähren oder sich für soziale Projekte einsetzen, erfolgreicher sind.

Hans Beletz: Kunst schafft Ausgleich in Unternehmen. Es ist eine Freude, die man von höheren Ebenen aufnimmt. Man öffnet sich für neue Ideen und neue Wege.

Und speziell in der Versicherungsbranche?

Hans Beletz: Wenn man kreativ ist, kommen die Ideen in jeder Branche.

Andrea Winkler: Glaube, dass man die Branche etwas aufweichen muss, um mehr Leben reinzubringen. Soziale Projekte können eine Möglichkeit sein. Beispielsweise habe ich eine große Freude, wenn ich in der faircheck-Küche das Bild sehe, das Hans Beletz gemeinsam mit den Kindern bei fairLesen gemalt hat.

Künstler am Werk: Insgesamt entstanden bei fairLesen gemeinsam mit Hans Beletz vier Kunstwerke, die in der Gemeinde Stattegg und im faircheck Headquarter besichtigt werden können.

Ist ein soziales Projekt in Zukunft gemeinsam mit einer Versicherung denkbar?

Andrea Winkler: Ja, auf jeden Fall. Vielleicht auch in Kooperation mit dem SOS-Kinderdorf. Eventuell auch wieder mit Hans Beletz. Desto mehr man macht, umso mehr kann man auch zurückbekommen.

Wie sieht es bei Ihnen aus Herr Beletz?

Hans Beletz: Man muss einfach tun. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich helfe beispielsweise jungen Künstler…

Andrea Winkler: Herr Beletz hat sich außerdem bereit erklärt, Anfang des Jahres gemeinsam mit mir in der Volksschule Kalkleiten einen zweistündigen Malworkshop abzuhalten.

Hans Beletz: Da freue ich mich schon drauf.

 

Fingerfertigkeit: Brigitta Hribernig, Direktorin VS Kalkleiten (rechts außen), brachte faircheck ein von den Kindern gefertigtes Fingerprint-Bild mit.

 

„Bei den Kindern in der Volksschule Kalkleiten ist faircheck großgeschrieben. Die Veranstaltung „fairLesen“, bei der wir heuer bereits zum zweiten Mal dabei sein durften, trägt das Ihrige dazu bei. Als Direktorin kann ich mir nur mehr Partner wie faircheck und Andrea und Peter Winkler wünschen, die mit soviel Herzblut wertvolle Projekte umsetzen.“

Brigitta Hribernig, Direktorin Volksschule Kalkleiten

Klimawandel. Wetter. Schadenfälle.

Werden Wetterereignisse tatsächlich immer extremer? Was ist der Unterschied zwischen Klima und Wetter? Welche klimatischen und wetterbedingten Veränderungen kommen in den nächsten Jahren auf uns zu? Was können wir heute gegen den Klimawandel tun? Welche Zukunftsstrategien gibt es für Versicherer? Wir haben den renommierten Experten für Klimatologie, Professor Dr. Ulrich Foelsche aus Graz, gefragt.

 

 

Herr Professor Dr. Foelsche, Sie sind nicht nur Institutsvorstand für Physik an der Karl Franzens Universität in Graz und verantwortlich für die meteorologische Station an der Universität Graz. Seit über 10 Jahren sind Sie im Wegener Center für Klima und globalen Wandel tätig. Was machen Sie da genau?    

Dr. Ulrich Foelsche: Am Wegener Center arbeiten wir an neuen Satellitenmethoden, mit denen man die Temperaturveränderung in der Atmosphäre besser messen kann. Da möchte man den genauen Zustand der Atmosphäre wissen, denn je besser man den aktuellen Zustand kennt, desto besser kann man Vorhersagen machen. Da sehen wir bereits, dass sich das Wetter verändert hat. Wir sehen durch die Vergangenheit, dass sich die Temperaturen verändern und können sehr sicher sagen, dass sich die Temperaturen in Zukunft weiter verändern werden. Mit einer Zunahme wird es in Zukunft auch sehr heiße Temperaturen gehen. Das ist klar und wird so weitergehen.

Welche Aktivitäten unterstützen die Forschungen im Bereich der Niederschlagsveränderungen?  

Dr. Ulrich Foelsche: Wir haben mit dem Wegener Net im Raum Feldbach ein Stationsnetz von 150 Stationen im gleichmäßigen Gitter von einem Kilometer in einem Bereich aufgebaut, indem man normalerweise nur maximal 2 Stationen – eine in Feldbach und eine in Bad Gleichenberg –  bedienen würde, um regionale Niederschlagsveränderungen bestimmen zu können. Da haben wir 10 Jahre Daten gesammelt, die wir jetzt anschauen können und so u.a. feststellen, wie Messdaten von extremen Niederschlagsereignissen variieren, wenn man nur regulär zwei Stationen hat im Vergleich zu einem Stationsnetz. Bei einem Mittelmeertief regnet es überall gleich viel. Gewitterniederschläge treten an einem Ort besonders konzentriert auf. Da kann es sein, dass man bei der Station in Gleichenberg gar nichts sieht. In der nächsten Phase führen wir das einen Schritt weiter und möchten uns in Zukunft anschauen, wie sich Extremniederschlagsmengen in Zukunft verändern. Dafür müssen wir auf Klimamodelle vertrauen und die können derzeit Niederschläge noch nicht besonders gut vorhersagen.

Es verändert sich viel, das sehen wir auch im Schadendienstleisterbereich. Welche Änderungen zeigen sich in Ihren Forschungen am deutlichsten?  

Dr. Ulrich Foelsche: Ein Parameter, an dem wir Veränderungen relativ leicht ermitteln können, sind die Tropentage. Da ist es in Graz (Station Universität Graz) so, dass für die Periode 1961 bis 1990 im Schnitt pro Sommer vier heiße Tage zu erwarten waren. Im Sommer 2017 waren es 32 Tage. Auch im wahrgenommenen kalten verregneten Sommer 2016 waren es 10 Tage. Mittlerweile sind auch kalte Sommer wärmer, als es früher „normale“ waren. Im Schnitt werden die heißen Tage mehr und die kalten Tage weniger werden. Das ist am deutlichsten herausgekommen. Wenn nicht ein extremer Vulkanausbruch passiert oder ein Asteroideneinschlag, dann wird das kommende Jahrzehnt global das wärmste sein, seitdem wir Messungen haben.

Sprechen wir bei Änderungen, die wir im Sommer 2016 bzw. 2017 wahrgenommen haben von Klima- oder Wetteränderungen?

Dr. Ulrich Foelsche: In einem Jahr hat sich das Klima nicht so stark verändert. Für die Ausprägung im Einzelfall entscheidet natürlich die Witterung bzw. das Wetter.

Als Schadendienstleister beobachten wir in den letzten Jahren regional konzentrierte Zunahme an Sturmschäden, Überschwemmungen, Hagel & Co. Wie spielt das Wetter hier hinein?  

Dr. Ulrich Foelsche: Es gibt Phasen im Sommer, wo sich sogenanntes Blocking einstellt. Für Wochen bleibt ein Hochdruckgebiet, das normalerweise von Westen nach Osten wandert, am gleichen Ort. Das Wasser aus dem Boden verdunstet und auf der anderen Seite entsteht ein Tiefdruckgebiet. Wir wissen noch nicht, ob diese Phasen zwingend häufiger werden müssen, aber es gibt eine Tendenz dazu, und die ist physikalisch plausibel.

Wie kommt es zu Blocking?

Dr. Ulrich Foelsche: Das Blocking hängt damit zusammen, wie Tiefdruckgebiete in unseren Breiten entstehen. Diese bilden sich im Bereich der sogenannten Polarfront, dort wo kalte Luft im Norden und die warme Luft im Süden aufeinanderstoßen. Diese kann glatt ausgeprägt sein oder sie kann Wellen schlagen. Das ist vergleichbar mit einem Fluss. Wenn das Gelände steil ist, strömt der Fluss gerade. In der Ebene beginnt der Fluss Mäander zu bilden. Dort wo die Polarfront ist, gibt es darüber in der Atmosphäre den sogenannten Jet Stream, der geradlinig fließt oder Wellen schlagen kann, was dazu führt, dass sich darunter die Tiefdruckgebiete ausbilden. Das hängt davon ab, wie stark der Temperaturunterschied zwischen niedrigen und hohen Breiten ist. Wenn der Temperaturunterschied stark ist, dann ist diese Strömung stärker und macht tendenziell weniger Wellen und wenn der Temperaturunterschied geringer ist, beginnt er Wellen zu schlagen. Der Temperaturunterschied zwischen Äquator und Pol wird immer geringer. Kalte Luft kommt so weit in den Süden und warme Luft dringt so weit in den Norden vor, was auf den ersten Blick paradoxe Situationen nach sich zieht. Das ist der Grund, warum man auch im Frühjahr noch Spätfröste haben kann, weil die Luft aus dem Norden, die zwar auch dort deutlich wärmer ist als früher, aber für unsere Breiten kalt, zu uns kommt. Details erforschen wir erst jetzt gerade im Detail. Mich würde es nicht wundern, wenn sich hier ein klimatischer Zusammenhang herausstellt.

Es wird in den nächsten 20 bis 30 Jahren also wärmer und damit verändert sich das Klima global. Können wir den Klimawandel aufhalten?

Dr. Ulrich Foelsche: Im Prinzip könnten wir, aber es spricht nicht wahnsinnig viel dafür, dass wir es auch tun. Das führt mit dazu, dass es nicht immer ganz leicht ist, in die Zukunft zu schauen. Je weiter wir in die Zukunft hinausschauen d. h. wenn wir über 30 oder mehr Jahre hinausschauen, dann ist es immer entscheidender wie wir uns jetzt verhalten. Für die nächsten paar Jahrzehnte haben wir die Weichen schon gestellt. Da müsste etwas ganz Dramatisches passieren, wie ein Vulkanausbruch oder ein Meteoriteneinschlag.

Wir können den Klimawandel aufhalten, aber es spricht nicht wahnsinnig viel dafür, dass wir es auch tun.

Wenn man in der Arktis noch schöne Eisberge sehen möchte, bis wann muss man hinfahren?

Dr. Ulrich Foelsche: Eisberge gibt es noch länger. Anders verhält es sich mit dem Meereis um den Nordpol herum, das maximal 10 Meter dick ist. Große Bereiche der Arktis frieren jeweils im Winter zu. Da bildet sich eine Eisschicht, die ist nur einen Meter dick und die geht über den Sommer zurück. Die minimale Ausdehnung des Meereises ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Den Bereich vom Nordpol können wir in einem besonders heißen Sommer eisfrei bekommen. Im Vergleich dazu bedecken Grönland und die Antarktis mächtige Eisschilde, die bis zu 4.000 Meter dick sind. Das Eis wird zwar auch drastisch weniger, aber das geht nicht von heute auf morgen. Die Eisberge kalben von Gletschern. Wenn ein Gletscher zu kollabieren beginnt, kann es kurzfristig sogar mehr Eisberge als früher geben. In Grönland gehen pro Jahr doppelt so viel Eis verloren wie es in den gesamten Alpen noch gibt d. h. alle Gletscher der Alpen rinnen pro Jahr in Grönland zweimal ins Meer. Es ist wahnsinnig viel da, aber es geht auch irrsinnig viel weg. Hier müssen wir ganz dringend etwas tun, weil wenn wir diesen Prozess nicht aufhalten, wird Grönland unwiderruflich zu schmelzen beginnen. Derzeit sind die Eisberge weit oben in der Atmosphäre und das Eis bleibt bestehen, da es kühl genug ist. Mit steigenden Temperaturen wird das immer schwerer.

Wie wird sich das Wetter in den nächsten 10 bis 20 Jahren in Österreich konkret verändern?

Dr. Ulrich Foelsche: In den letzten 30 Jahren ist es bei uns in Österreich um ein Grad wärmer geworden. Jeder Tag des Jahres ist also ein Grad wärmer. Es wird wärmer, es wird heißer; auch wenn sich bei den Niederschlägen nicht viel verändert, wirkt sich Dürre stärker aus. Viel schwieriger ist es bei der Entwicklung von Niederschlägen. In unseren Regionen ist eine der großen Unbekannten, wie sich die Mittelmeertiefs verhalten werden.

Welche Tendenzen gibt es für Mittelmeertiefs?

Dr. Ulrich Foelsche: Wo sich die Modelle sehr einig sind, ist, dass es langfristig weniger Niederschläge um den Bereich des Mittelmeers geben wird und in der Steiermark sind wir gerade im Randbereich dieses Einflusses. Das haben wir auch in der Vergangenheit beobachtet. Im Mittel haben sich die Niederschläge in den letzten Jahrzehnten in Österreich kaum verändert. Im Norden von Österreich ist es allerdings tendenziell mehr und im Süden tendenziell weniger geworden – das sagen uns die Klimamodelle für die Zukunft auch so ähnlich vorher. Mit der Einschränkung, dass wir die mögliche Veränderung aus den Mittelmeertiefs nicht genau vorhersagen können.

Welche Tendenzen gibt es bezüglich Intensität und Häufigkeit von Niederschlagsereignissen?

Dr. Ulrich Foelsche: Wenn wir uns Stationsdaten der Vergangenheit weltweit anschauen, dann sieht man tendenziell, je wärmer Orte sind, desto mehr Niederschlag kommt in Form von intensiven Niederschlagsereignissen. 2014 haben wir ein Buch herausgegebenen: Sachstandsbericht Klimawandel Österreich. Dort war ich verantwortlich für das Kapitel des beobachteten Klimas. Dort haben wir zusammengefasst, was es bis 2012 an Beobachtungen gab. Dort gab es noch kein völlig einheitliches Bild, ob die Ereignisse häufiger werden. Mit allen Überlegungen drum herum ist es relativ klar, dass man sich darauf einstellen sollte. Wenn man sich auf eine Änderung einstellt, dann eher darauf, dass sie häufiger werden.

Eine Zunahme von wetterbedingten Schadenfällen ist also nicht in erster Linie auf ein Mehr an Wetterereignissen zurückzuführen?

Dr. Ulrich Foelsche: Die Schadenfälle durch Hochwasser sind längst nicht nur durch Niederschlagsereignisse bestimmt. Da gibt es viele Effekte, die mitspielen. Rückversicherer sehen ganz deutlich, dass es eine Zunahme von wetterbedingten Schadenfällen gibt, was aber nicht in jedem Fall zwingend heißt, dass sich auch die Wetterereignisse, die dafür verantwortlich sind, geändert haben müssen, sondern, dass viel mehr Leute in Regionen leben, wo sie früher nicht gelebt haben und mehr versichert ist. Bei Hagel sieht man bis jetzt auch keine deutliche Änderung. Aber es macht einen großen Unterschied, ob ich in einem zersiedelten Gebiet lebe oder nicht. Bei jedem einzelnen Hagelereignis ist die Wahrscheinlichkeit viel größer, dass ich etwas treffe. Habe ich im Keller Koks oder habe ich einen Partykeller? Habe ich Solarzellen am Dach? Bei Hochwasser kommt noch mehr dazu. Veränderung der Niederschläge, des Bodens (Versiegelung) oder des Bebauungsplans. Oft entscheidet der Bau eines Rückhaltebeckens viel mehr als die Änderung der Niederschlagsereignisse.

Die Schadenfälle durch Hochwasser sind längst nicht nur durch Niederschlagsereignisse bestimmt.

Wir beobachten als Schadendienstleister vermehrt Tornados oder Schneisen, die durch Wälder und Regionen fahren, oder nehmen wir das nur stärker wahr?

Dr. Ulrich Foelsche: Der schlimmste Tornado in Österreich war 1916 in Wiener Neustadt und hat 32 Todesopfer gefordert. Der intensivste Tornado im Raum Graz war 1927. Wenn wir uns die Tornadostatistik anschauen, würden wir den Eindruck haben, dass Tornados nur in Städten auftreten, was natürlich nicht plausibel ist. Das hängt damit zusammen, dass es seltene Ereignisse sind und wir heute intensiver beobachten. Wir haben ein immer dichteres Netz und daher wird es zunehmender wahrscheinlicher, dass wir genau dort messen, wo das Maximum ist.

Es gibt vermehrt private Messstationen von Wetterdaten. Bedienen Sie sich solcher Einrichtungen?

Dr. Ulrich Foelsche: Gerade bei Niederschlagsmessungen ist ein ganz großes Thema die Datenqualität. Hagel kann schwer automatisiert erfasst werden. In diesem Fall sind Bilder in sozialen Medien hilfreich. Mehr und mehr Leute haben Handys mit Fotofunktion und daher sieht man eine unglaubliche Zunahme an beobachteten Ereignissen, aber das bedeutet nicht automatisch, dass sich das Phänomen selbst so verändert hat.

Szenenwechsel Versicherungslandschaft. Stellen Sie sich bitte vor, Sie halten plötzlich das Ruder bei einer Versicherung in der Hand. Wie würden Sie agieren? 

Dr. Ulrich Foelsche: Ich würde den engen Kontakt mit der Forschung aufrechterhalten. Außerdem würde ich Masterarbeiten unterstützen, was sich vergleichsweise schnell rentiert. Wichtig ist, dass man am Puls bleibt und das ganze Bild sieht.

 

Professor Dr. Ulrich Foelsche ist seit mehr als 10 Jahren im Wegener Center für Klima und globalen Wandel tätig und beschäftigt sich dort mit globalem Klimamonitoring. Außerdem ist Prof. Dr. Foelsche Institutsvorstand am Institut für Physik an der Karl Franzens Universität in Graz und verantwortlich für die meteorologische Station der Universität Graz. Er verfasst regelmäßig Publikationen zum Thema Klimawandel in Österreich.

Klicktipps:

Aktuelle Messdaten werden laufend auf der Website der meteorologischen Station der Universität Graz veröffentlicht.

Wer an den Vergangenheitsdaten interessiert ist, kann auf die digitalisieren Klimabögen zugreifen, die auch dort abrufbar sind. Bei den einzelnen Dekaden sind ausgewählte Ereignisse hervorgehoben.

 

Wie tickt die Versicherungswelt in London?

Risiken versichern, die sonst keiner versichert. Die Beine von David Beckham, der Po von Jennifer Lopez, die Brüste von Madonna oder die Brusthaare von Tom Jones sind gut versichert. Stolze Versicherungssummen kassieren diese Stars im Schadenfall für die genannten Körperteile. Möglich macht das der internationale Versicherungsmarktplatz Lloyd’s of London. Oliver Fink, COO von faircheck, besuchte Lloyd’s of London zusammen mit Branchenkollegen im Herbst letzten Jahres. Andrea und Peter Winkler reisten gemeinsam mit einer Delegation aus Versicherungen und den Versicherungsforen nach London.

Ursprünglich fungierte das Kaffeehaus von Edward Lloyd in der Londoner Tower Street als Treffpunkt zwischen Reedern und Geschäftsleuten, die bereit waren, Schifffahrtsrisiken zu übernehmen bzw. abzudecken. Der Bedarf war im ausgehenden 17. Jahrhundert groß und „Lloyds“ entwickelte sich schnell zum internationalen Versicherungsmarktplatz.

Lloyd’s of London befindet sich mitten im Finanzviertel Londons und betreibt das Geschäft im 1986 fertiggestellten Bürokomplex, der die Handschrift des Architekten Richard Rogers (u.a. Centre Pompidou) trägt. Bereits der Fußweg durch Gassen, an denen Hochhäuser aus Stahl und Beton aufragen, gefolgt von einem Spaziergang durch den Leadenhall Market, der als Kulisse für Harry Potter diente, vermittelt die für London typische Atmosphäre zwischen Tradition und Moderne. Dieser Eindruck verstärkt sich, nachdem man das Glasportal des Gebäudes hinter sich lässt und – nach vorheriger Ausweiskontrolle und in Begleitung eines Guides – den Trading Floor betritt. Hundert hochmodern ausgestattete, digitale Arbeitsplätze auf der Hauptebene und auf den galerieartig angeordneten Etagen darüber, zeugen nicht mehr wirklich von den einst an Kaffeehaustischen eingefädelten und abgewickelten Geschäften.

Der hölzerne Glockenturm im Zentrum des Marktplatzes von Lloyd’s.

Richtet man den Blick allerdings ins Zentrum des Floors, erblickt man dort einen markanten, hölzernen Glockenturm, der die Schiffsglocke der legendären HMS Lutine – versichert durch Lloyd’s, beladen mit Gold und Silber und gesunken 1799 vor der niederländischen Küste – beherbergt. Die „Lutine Bell“ wurde 1858 aus dem Wrack geborgen und im Underwriting-Room aufgehängt. Angeschlagen wurde sie zu Informationszwecken, wenn ein Lloyds versichertes Schiff überfällig war bzw. glücklicherweise wiederauftauchte. Diese Tradition hat bis heute bestand – die Glocke ertönt bei Todesfällen im Königshaus oder bei Katastrophen wie den Londoner Bombenanschlägen im Jahr 2005. Ebenfalls traditionsreich geführt werden heute noch die sogenannten Loss Books, in denen Schiffskatastrophen wie die der Titanic eingetragen wurden und nachzulesen sind – nebst original Versicherungsschein, ausgestellt durch Lloyds.

Eine Reise zwischen Tradition und Moderne  

Eine Zeitreise bei Lloyd’s. Der alte Speisesaal aus 1763 wurde Stück für Stück ins neue Gebäude integriert.

Begibt man sich mit dem Lift, der wie die gesamte Haustechnik außen an der Glasfassade angebracht ist (diese Besonderheit sorgt auch für die unverwechselbare Optik) in die oberen Etagen und tritt gemeinsam mit dem Guide durch die Büroflure, an denen moderne Besprechungsräume mit atemberaubender Aussicht angesiedelt sind, landet man unvermittelt wieder in der alten Zeit, im Committee. Dieser 1763 im alten Lloyds Gebäude errichtete Speisesaal wurde Stück für Stück abgetragen und im Rogers-Gebäude wiederaufgebaut, womit allerdings der Architekt dem Vernehmen nach nicht sehr glücklich war.

Brexit birgt Fallstricke

Nach einer 300-jährigen, ereignisreichen Geschichte stehen dem Unternehmen die nächsten Unwägbarkeiten der politischen Art bevor. Der gelinde gesagt etwas unkoordiniert erscheinende Brexit dürfte etwas Nervosität in den Vorstandsetagen von Lloyds hervorrufen. Wer weiß, vielleicht findet demnächst der nächste Eintrag in den Geschichtsbüchern von Lloyds statt.

Finanzplatz London gewährt Ein- und Ausblick

Andrea und Peter Winkler regten bei den Versicherungsforen eine Reise zum Finanzplatz London an und machten sich gemeinsam mit einer Delegation aus österreichischen Versicherungen und den Versicherungsforen ein Bild. Auf der Agenda stand neben Lloyd’s auch der Besuch bei Liberty Specialty Markets, einem der größten Sachversicherer der Welt. Die Einblicke waren außerordentlich interessant und thematisierten u. a. die Herausforderungen und das Vorgehen rund um Brexit. Peter Winkler: „Ein durch und durch informatives und gastfreundliches Treffen – immer wieder mit einem wunderbaren Ausblick verbunden. Als nächste Reise werden wir einen Besuch in Holland oder Spanien anregen, da diese Länder besonders innovativ im Schadenbereich unterwegs sind.“